+++ Die SALO-Autismus-Fachtagung 2023 - Freitag, 15.09. und Samstag, 16.09.2023 in Berlin, jetzt anmelden! +++

Interview in der Gehörlosenzeitschrift „Life in Sight“ – so arbeitet Salo+Partner in Köln erfolgreich mit Hörgeschädigten

Wie begleitet man Hörgeschädigte auf ihrem nachhaltigen Weg in Arbeit? Worauf ist zu achten? Wer trägt die Kosten? Diese und andere Fragen beantwortet Jana Meyer, Niederlassungsleitung von Salo+Partner in Köln, im aktuellen Interview mit „Life in Sight“-Chefredakteur Marc Waigt.

Viel Freude beim Lesen!

Um zu erfahren, wie SALO das Ziel der nachhaltigen (Wieder)-Eingliederung in Arbeit für Menschen mit Höreinschränkungen erreicht, befragte Chefredakteur, Marc Weigt, Jana Meyer im Interview.

Marc Weigt: Hallo Frau Meyer, bitte stellen Sie sich unseren Leser*innen kurz vor.

Jana Meyer: Hallo Herr Weigt. Vielen Dank für die Einladung. Mein Name ist Jana Meyer und ich arbeite seit September 2019 für Salo+Partner Köln. Ich bin hörend, aber gebärdensprachkompetent, da mich die Arbeit mit Hörgeschädigten schon immer sehr gereizt hat. Als Niederlassungsleitung koordiniere ich drei Bereiche: Wir bieten in Köln Maßnahmen für Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung, mit einer Hörschädigung oder mit neurologischen Erkrankungen an.

Marc Weigt: Für welche Aufgaben sind Sie als Leiterin der Geschäftsstelle zuständig?

Jana Meyer: Zu meinen Aufgaben als Leitung gehören unter anderem das Koordinieren der verschiedenen Teams. Als interdisziplinäres Team gehen wir regelmäßig in den Austausch, um individuelle Lösungen für die Teilnehmer*innen zu suchen. Neben der Arbeit mit den Kolleg*innen gehört natürlich die Umsetzung unserer Reha-Konzeption nach § 51 SGB IX dazu. Als Leitung ist man für den Umsatz und die Ergebnisse verantwortlich.

Marc Weigt: Wird die gesamte Maßnahme von Gebärdensprachdolmetschern begleitet?

Jana Meyer: Nein. Wir haben gebärdensprachkompetente Kolleg*innen im Haus, weshalb der Einsatz von Gebärdensprachdolmetschern nicht immer notwendig ist. Das Coaching und der Unterricht finden auf DGS und LBG statt. Für Vorstellungsgespräche oder Praktikumsbesuche werden je nach Bedarf der Teilnehmer*innen Dolmetscher* innen dazugebucht. Das besprechen wir aber immer im Vorfeld mit den Teilnehmer*innen.

Marc Weigt: Welche Voraussetzungen müssen vorliegen, damit ein Hörgeschädigter eine Rehabilitation bei SALO+PARTNER beginnen kann?

Jana Meyer: Eine ganz wichtige Rolle spielt die Motivation. Wir möchten Menschen helfen, einen geeigneten Arbeitsplatz zu finden, aber hierfür ist eine regelmäßige Teilnahme und eine gewisse Motivation notwendig. Darüber hinaus benötigen hörgeschädigte Menschen einen „Reha-Status“, den sie bei der Agentur für Arbeit beantragen können. Dieser Reha-Status ist notwendig, um an unserer Reha-Maßnahme teilnehmen zu können. Bei Fragen beraten wir die Interessenten und helfen Ihnen bei der Antragstellung.

Marc Weigt: Was beinhaltet die Rehabilitation oder Wiedereingliederung für Menschen mit Hörschädigung bei SALO+PARTNER in den Beruf?

Jana Meyer: Wir gehen grob zusammengefasst in vier Schritten vor. Zu Beginn machen wir eine Eignungsfeststellung. Das bedeutet, dass wir schauen, welche Qualifikationen, Kompetenzen und Stärken jemand mitbringt. Anschließend machen wir eine berufliche Orientierung und Stabilisierung. In dieser Phase bereiten wir die Bewerbungsunterlagen auf, suchen gemeinsam nach geeigneten Stellen und üben für Vorstellungsgespräche. In dieser Zeit können auch Gespräche mit unseren Psycholog*innen geführt werden, um zum Beispiel Unsicherheiten oder Ängste zu besprechen. Im dritten Schritt findet das Praxistraining statt. In dieser Zeit erproben sich unsere Teilnehmer*innen im Rahmen einer Hospitation oder im Rahmen eines Praktikums im Betrieb. Das Praktikum dient dazu, den Teilnehmer*innen einen ersten Eindruck von der Firma zu vermitteln. Im letzten Schritt findet die Integration in den Betrieb statt. Gemeinsam wird der Arbeitsvertrag besprochen, damit alle Paragraphen und Regeln verstanden werden. Anschließend nehmen wir Kontakt zum Integrationsfachdienst (IFD) auf, damit technische Hilfsmittel beantragt werden können und die Teilnehmer*innen einen Ansprechpartner mit DGS-Kompetenz an der Seite haben. Wir betreuen nach erfolgreicher Integration noch weitere 6 Monate. In dieser Zeit stehen wir für Fragen immer zur Verfügung sowohl für den*die Teilnehmer*in, als auch für den Betrieb.

Marc Weigt: Können sich Interessierte vorab informieren?

Jana Meyer: Interessierte können sich über diverse Wege informieren. Wir bieten persönliche Termine in Köln oder auch Videogespräche an. Es ist immer gut, wenn sich Interessierte für eine Terminvereinbarung bei uns melden. Wir bieten niederschwellige und barrierefreie Wege an:

Per E-Mail: salokoeln@salo-ag.de
oder team-hg-koeln@salo-ag.de

Per Messenger (Signal, Whatsapp):
+49 170 5989657 und
+49 160 97072758

Per Skype: salokoeln@salo-ag.de

Marc Weigt: Wer trägt die Kosten für die Rehabilitation?

Jana Meyer: Die Kosten werden in der Regel von der Deutschen Rentenversicherung oder der Agentur für Arbeit getragen. Die Teilnahme an der Maßnahme ist für die hörgeschädigte Person kostenfrei.

Marc Weigt: Ist SALO+PARTNER bei der Beantragung behilflich?

Jana Meyer: Wir helfen bei der Beantragung und auch beim Ausfüllen, da wir aus eigener Erfahrung wissen, dass ein solcher Antrag für hörgeschädigte Personen kompliziert sein kann. Wenn Bedarf besteht, kann sich die hörgeschädigte Person bei uns melden und wir vereinbaren einen Termin, um bei der Beantragung oder dem Ausfüllen des Antrages zu helfen.

Marc Weigt: Wie lange dauert erfahrungsgemäß eine Bearbeitung eines Antrags?

Jana Meyer: In der Regel dauert der Prozess von Antragstellung bis Bewilligung circa vier bis acht Wochen.

Marc Weigt: Leistet Salo+Partner Hilfe bei der Arbeitsplatzsuche?

Jana Meyer: Unser Ziel ist es, hörgeschädigte Personen langfristig in Arbeit zu vermitteln, weshalb eine unserer Hauptaufgaben die Arbeitsplatzsuche ist. Dies findet im Unterricht mit dem Namen „BO“ statt. BO bedeutet berufliche Orientierung und hier lernen die Teilnehmer*innen geeignete Arbeitsplätze zu suchen und ihre Bewerbung darauf anzupassen.

Marc Weigt: Welche Erfolgsquote gibt es bei Salo+Partner?

Jana Meyer: Unsere Erfolgsquote bei den hörgeschädigten Teilnehmer*innen liegt im Schnitt bei 80 Prozent. Wir hatten trotz Pandemie z.B. im Jahr 2021 eine Erfolgsquote von 78 Prozent. Viele Hörgeschädigte konnten wir in eine Arbeitsstelle oder auch in eine Ausbildung vermitteln.

Marc Weigt: Wo sind die Standorte, wo ich als Hörgeschädigte/r die (Wieder)-Eingliederung machen kann?

Jana Meyer: Als bundesweiter Anbieter können Hörgeschädigte unsere Maßnahme an den Standorten in Berlin, Frankfurt, Hildesheim, Köln, Mühldorf am Inn, München, Nürnberg, Schwerin und Stuttgart besuchen.

Marc Weigt: Und wenn ich nicht in der Nähe wohne?

Jana Meyer: Dann können individuelle Lösungen mit der Deutschen Rentenversicherung, der Agentur für Arbeit, dem Jobcenter und dem*der Interessent*in gefunden werden. Wir hatten in der Vergangenheit auch Personen, die vom Jobcenter für die Maßnahmezeit eine Unterkunft in Köln finanziert bekommen haben. Es ist aber immer ratsam, dass man das in einem gemeinsamen Gespräch abklärt.

Marc Weigt: Womit können Sie jedem Hörgeschädigten, der gerade vor einem beruflichen Neuanfang steht, Mut machen?

Jana Meyer: Es ist nie zu spät sich beruflich weiterzuentwickeln und etwas Neues auszuprobieren. Wir haben schon ganz unterschiedliche Personen begleitet und in Arbeit vermittelt. Wir hatten dieses Jahr eine Person, die nur noch wenige Jahre bis zur Rente hat und leider auf der alten Arbeit Mobbing erfahren hat. Die Person hatte große Ängste eine Arbeit zu finden und gleiches zu erleben. Wir haben es geschafft einen Arbeitsplatz zu finden, bei dem sich die Person wohlfühlt und die Arbeit Spaß macht. Es ist schön zu sehen, wenn die Teilnehmer*innen einen Arbeitsplatz gefunden haben, bei dem sie glücklich sind. Ich denke man sollte nie aufhören seine Träume zu verfolgen und dafür zu kämpfen. Wir helfen gerne beim dem Weg einen geeigneten Arbeitsplatz zu finden.

Marc Weigt: Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg für Ihre Arbeit weiterhin!

keyboard_arrow_up